Fazit unseres BIO-Monats Januar

In Kürze:

  • Wir sind (noch) nicht konsequent genug.
  • Wir können, wenn wir wirklich wollen.
  • Wir müssen mehr Bilder machen und die Artikel besser planen.

Und nun nochmal ausführlich:
Das Jahr ist schon wieder um einen Monat ärmer und wir um eine mehr oder weniger gemeisterte Herausforderung reicher. Wir hatten uns vorgenommen einen Monat lang ausschließlich BIO einzukaufen. Doch was kauft man eigentlich im Monat so ein und was bedeutet eigentlich „bio“?

Vereinfacht kann man sagen, dass wir in den drei Kategorien Lebensmittel, Kosmetik/Drogerieprodukte und Sonstiges eingekauft haben. Unter Sonstiges fallen dann allerhand Dinge wie Fotoecken, ein Fahrradschlauch, Geburtstagsgeschenke für den Junior, Batterien, Schleifpapier und einiges mehr.

Die Bio-Siegel
Was bei Lebensmitteln in Deutschland als „bio“ gilt, lässt sich noch recht schnell und einfach definieren. Hierfür ist mindestens das EU-Bio-Siegel erforderlich. Dieses Siegel setzt einen Mindeststandard bei Lebensmitteln. Hier kommen politische sowie lokale Interessen verschiedener Länder zum Tragen, weshalb der Standard meines Erachtens nicht besonders hoch angesetzt ist. Es ist aber definitiv ein Anfang. Darüber hinaus gibt es noch diverse Siegel von privaten Verbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter. Diese Verbände gestalten die teilweise recht allgemein gehaltenen Vorgaben der EU detaillierter und oft auch weit strenger aus.

Um es kurz zu machen: Beim Einkauf von Lebensmitteln sollte man einen Blick auf die Rückseite des Produktes riskieren und nach folgenden Siegeln Ausschau halten egal ob vorne drauf nun Rossmann-Bio, Rewe-Bio oder eine beliebige andere (Eigen-)Marke drauf steht.

Bei Kosmetik und anderen Drogerieartikeln wird es schon etwas komplizierter. Hier gibt es keine EU Vorgaben oder sonstige rechtliche Definitionen. Die Siegel stammen ausschließlich von privaten – zum Teil nonprofit – Verbänden. Am verbreitetsten ist meiner Wahrnehmung nach das Natrue Siegel. Wir achten bei unseren Einkäufen auf diese Siegel:

Alles was bei uns unter Sonstiges fiel, gibt es entweder nicht bio-zertifiziert oder allenfalls mit reichlich um die Ecke denken. Ihr könnt ja mal nach „Bio Fahrradschlauch“ googeln. 😉 Hier wäre dann der nächste Anspruch nicht verschwenderisch mit den Materialien umzugehen. Also z.B. Schlauch flicken anstatt einen neuen zu kaufen.

Und was sind nun unserer ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Anspruch einen Monat nur bio einzukaufen?
Nachdem die erste Woche noch ausbaufähig war, verlief die zweite Woche schon wesentlich koordinierter. Hier haben wir es tatsächlich geschafft alles bio einzukaufen. In der dritten Woche haben uns verschiedene Rahmenbedingungen wie ernsthafte Sorgen um den kleinen Junior sowie der Kindergeburtstag des großen Juniors wieder etwas zurück geworfen. In der vierten Woche hatten mich dann alle verlassen – nein, nicht wegen des Bio-Anspruchs! 😀 Da noch ausreichend Reste da waren, kam ich nicht in die Verlegenheit (Lebensmittel) einzukaufen.

Zurückblickend empfinde ich den Einkauf von Bio-Lebensmitteln als recht unproblematisch. Die meisten Supermärkte verfügen inzwischen über ein breites Bio-Sortiment. Wir gehen des Öfteren bei Rewe einkaufen. Dort gibt es eine sehr große Bio-Auswahl, angefangen von Obst und Gemüse über Käse und andere Milchprodukte bis hin zu Konserven oder Backzutaten. Neben der EU-Zertifizierung haben viele Rewe-Artikel auch eine Naturland-Zertifizierung, was ich grundsätzlich als sehr positiv bewerte.

Doch Rewe hat nicht alles im Angebot, was das Bio-Herz so braucht. Dann heißt es improvisieren oder doch nochmal den Bio-Laden aufsuchen. Gerade der letzte Punkt war für uns besonders schwierig, da es für uns aktuell eher Stress bedeutet den Einkauf in verschiedenen Läden zusammen zu stückeln. Besonders zu spüren haben wir das beim Thema Backwaren, also Brot und Brötchen, bekommen. Hier fanden wir aber schnell einen Ausweg indem wir einfach selbst gebacken haben. Das passende Brötchenrezept müssen wir zwar noch finden, jedoch ist es eine wirkliche Alternative öfter mal selbst den Ofen anzuwerfen. Überzeugt euch selbst:
projekt_unverbluemt_selbstgebackenes_brot
Meine persönliche Herausforderung war darüber hinaus das tägliche Mittagessen auf Arbeit. Hier musste ich recht schnell alle Regeln außer Kraft setzen um nicht zu verhungern. Die Alternative wäre entweder sich etwas vorzukochen oder auf Fertigessen zurück zu greifen. Ersteres wäre auf alle Fälle wünschenswert, die halbe bis ganze Stunde Zubereitungszeit am Abend nutze ich derzeit jedoch um Kristina mit dem kleinen Junior zu unterstützen wo ich kann. Fertigprodukte gehen in meinem Kopf nur bedingt mit dem Bio-Gedanken zusammen. Also bin ich mit den Kollegen in die konventionellen Bistros geschlendert, nicht zuletzt auch wegen der Angst vor der sozialen Isolation. 😉

Bei Kosmetik und anderen Drogerieartikeln stellt sich mir immer wieder die Frage wie sich Naturkosmetik mit Plastikflaschen vereinbaren lässt. Hier nehmen sich aber alle Anbieter nichts. Nahezu alle Artikel von Duschbad über Shampoo, Creme und Zahnpaste sind in Plastikbehältnissen verpackt. Freilich was ist die Alternative? Glasflaschen? Die lassen sich schlecht ausdrücken und sind in der Wanne/Dusche womöglich auch nicht ganz ungefährlich. Aber da werden nun größte Anstrengungen unternommen um Mineralöle aus der Kosmetik zu bekommen und dann wird es in Plastik verpackt. Aber ich schweife ab.

So generell können wir Weleda oder Lavera empfehlen. Doch auch die Eigenmarken von dm (alverde) und Rossmann (alterra) erfüllen unsere Anforderungen. Schwierig wird dann die Beurteilung von Schminke oder Wattestäbchen. Das größte Problem hatte ich mit Zellstofftaschentüchern und Toilettenpapier. Will man Zellstoff aus Bio-Produktion wirklich kaufen? Man stelle sich das mal vor: Ein Wald, der unter biologischen Aspekten extra herangezogen wird um daraus Zellstoff zu produzieren. Da macht Recycling doch irgendwie mehr Sinn. Mein Traum: Taschentücher aus recyceltem Papier, das ursprünglich aus zertifiziertem Anbau stammt. Bis dahin ist noch ein bisschen Weg.

Interessant wurde es dann immer wieder bei sonstigen Gebrauchsgegenständen. Hier mussten wir regelmäßig unsere Ansprüche weit zurückschrauben. Meine größte Sorge: Was schenken wir dem Star Wars Fan zu seinem siebten Geburtstag? Über Holzbausteine aus garantiert biologisch zertifizierter Herstellung hätte er sich leider nur begrenzt gefreut. Den Schlauch für den Kinderwagen habe ich immerhin im Bio-Kinderladen bekommen. Ich vermute zwar, dass daran wenig bio war, aber er hatte zumindest keine unnötige Verpackung. Meine letzte Grenze habe ich dann im Baumarkt erreicht, als ich Schleifpapier und Silikon benötigte. Dabei kam mir aber eine grandiose Geschäftsidee: ein Bio-Baumarkt. Ich befürchte nur, dass der auf Grund eines sehr überschaubaren Sortiments dann lediglich 20qm groß wäre. Gern lasse ich mich eines Besseren belehren.

Unser Fazit
Am Ende bleiben einige Fragezeichen und Zweifel. Verstärkt auf Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. Herstellung zu achten ist auf alle Fälle sinnvoll, darüber muss man sich nicht streiten. Aber macht es nun mehr Sinn die sauber geputzten Kartoffeln im Plastiknetz aus Österreich zu kaufen nur weil sie bio sind oder die daneben, die aus der Region kommen, in der Papiertüte verpackt sind und an denen noch der Dreck klebt? Oder ein anderes Beispiel: Entscheidet man sich für die TK-Brötchen aus einer namenlosen deutschen Großbäckerei oder doch lieber für den regionalen Bäckerbetrieb?
Zum Schluss kann ich resümieren, dass uns ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln extrem wichtig ist, sowohl beim Einkauf als auch bei der Verarbeitung. Hierbei wird es uns aber auch in Zukunft nicht ausschließlich auf bio ankommen, sondern auch auf Regionalität.

Ein Ausblick auf die nächste Herausforderung
Im Februar werden wir uns schon einmal dem Frühjahrsputz widmen. Das Wetter draußen gibt uns ja Recht. Wir möchten folgende Frage nachgehen: Welche Dinge besitzen wir, die wir eigentlich gar nicht brauchen? Und wir möchten nur das Einkaufen was wir wirklich (dringend) benötigen. Außerdem beginnt am 10.02. die Fastenzeit. Noch eine Gelegenheit einmal darüber nachzudenken auf was wir verzichten können.

Hier noch ein paar interessante Links zum Nachlesen:
http://naturkosmetik-zertifizieren.de/wp-content/uploads/2012/12/Raus-aus-dem-Label-Dschungel.pdf
http://biodukte.de/biosiegel
http://www.klimamarkt2050.de/Auf_diese_Siegel_achten.html

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